ANTON BAMMER (1934–2024) - Ein Porträt: Archäologie und Kulturanthropologie
Authors : Charlotte Schubert, Verena Gassner
Pages : 1-13
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Publication Date : 2025-12-01
Article Type : Other Papers
Abstract :Anton Bammer zählt zu den herausragenden Persönlichkeiten der österreichischen Archäologie und Architekturforschung des 20. Jahrhunderts. Nach einem Studium der Architektur an der Technischen Universität Wien und einer kurzen Tätigkeit als Bauleiter wandte er sich der archäologischen Bauforschung zu. Mit seinem Eintritt in das Österreichische Archäologische Institut 1961 begann jene wissenschaftliche Laufbahn, die untrennbar mit den Grabungen im Artemision von Ephesos verbunden bleiben sollte. Die Entdeckung des lange gesuchten Altars der Artemis 1965 verschaffte ihm internationale Anerkennung und markierte den Beginn einer lebenslangen Beschäftigung mit der Architektur, dem Kult und den gesellschaftlichen Strukturen Ioniens. Dazu trug auch die Entdeckung eines frühen kleinen Tempels im Hof der Dipteroi bei, der zu den ältesten peripteralen Bauten überhaupt gehört. Bammer verband in einzigartiger Weise technische Präzision mit theoretischer Tiefe. Seine Forschungen zeichneten sich durch die Verbindung archäologischer Analyse mit soziologischen, psychologischen und kulturanthropologischen Fragestellungen aus. Mit seinen Schriften – etwa „Architektur und Gesellschaft in der Antike“ (1974) und „Architektur als Erinnerung“ (1977) – steht er für eine neuartige Lesart der Baukunst als Spiegel gesellschaftlicher Ordnungen, kollektiver Erinnerungen und menschlicher Empfindungen. Er verstand Architektur nicht als statisches Monument, sondern als Ausdruck historischer Dynamik und sozialer Kommunikation. Auch als Lehrer an der Universität Wien prägte Bammer Generationen von Studierenden. Er stand für eine offene, dialogische Wissenschaftskultur und vermittelte die Lust am Fragen ebenso wie die Skepsis gegenüber tradierten Denkmustern. Seine Habilitation 1980 – gegen die Widerstände eines konservativen akademischen Umfelds erstritten – wurde zu einem Signal wissenschaftlicher Erneuerung. Bis weit über seine Pensionierung hinaus blieb Bammer aktiv - in Projekten in Aigeira und Kolophon ebenso wie in zahlreichen theoretischen Arbeiten. Als Forscher, Künstler und Lehrer war er ein Grenzgänger zwischen Disziplinen und Kulturen und sein Werk steht exemplarisch für jene Haltung, die das Denken über die Antike stets im Heute verortet – kritisch, schöpferisch und beeindruckend.Keywords : Anton Bammer, , Efes, , Artemision, , Mimarlık Tarihi,
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